Darauf darf man in Messel stolz sein. Als einzige im Landkreis darf sich die Gemeinde „Ort der Demokratiegeschichte“ nennen. Vergeben wurde dieser Titel von der Stiftung „Orte der deutschen Demokratiegeschichte“, deren Auftrag es ist, das öffentliche Bewusstsein für die deutsche Demokratiegeschichte zu fördern. Begründet wurde das mit dem bürgerschaftlichen Engagement, mit dem verhindert wurde, dass aus der Grube Messel eine Mülldeponie wurde. Das heutige Unesco-Weltnaturerbe stehe für Forschung, Naturschutz und gelebte Demokratie, heißt es dazu.
Am 18. März fand unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bundesweit erstmals der Tag der Demokratiegeschichte statt, der auch in Messel mit einem ebenso kurzweiligen wie anspruchsvollen Programm im Georg-Heberer-Haus begangen wurde. Auf die deutsche Demokratiegeschichte blickte Bürgermeister Dr. Thorsten Buhrmester. „Wenn wir von 80 Jahren Demokratie in Deutschland sprechen, blicken wir auf einen Weg seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs, der mit einem Neuanfang in Trümmern beginnt, über die parallele Existenz zweier deutscher Staaten führt und in die demokratische Wiedervereinigung mündet.“ Als Aufgaben betrachtet es Buhrmester, Polarisierung zu überwinden, digitale Öffentlichkeiten fair zu gestalten und Extremismus entgegenwirken. Vor allem aber sollte die junge Generation beteiligt werden und die Verfahren so offengehalten, dass Vertrauen wachsen kann.
„Demokratie braucht Profil, was in den unterschiedlichen Parteien zur Darstellung kommt“, erklärte stellvertretend für die im Messeler Gemeindeparlament vertretenen Fraktionen Jan Fuhrmann, der SPD-Fraktionsvorsitzende. Demokratische Prozesse müssten streitbar sein, sollten aber zu einem gemeinsamen Ergebnis führen. „Viele leben heute in einem Service-Modus mit dem Verlangen, alles zu seinem Besten bereitet zu bekommen, ohne sich groß darum kümmern zu müssen“. Messel sei ein gutes Beispiel dafür, dass es auch anders geht: „Mit den Sportvereinen, Gesangvereinen, der Kerb und der Feuerwehr tragen viele zum Zusammenhalt und der gelebten Gemeinschaft bei. Dies verdient höchsten Respekt und bildet die Grundpfeiler unseres demokratischen Zusammenlebens.“
Mühelos gelang es Margit Oppermann, Gründungsvorsitzende der Bürgerinitiative gegen die geplante Mülldeponie, mit ihrer Schilderung vom Einsatz gegen die Deponie das Publikum zu fesseln. Nur hartnäckigen und intensiven Bürgerprotesten war es nämlich zu verdanken, dass die Grube Messel, eine der bedeutendsten Fossilienlagerstätten, nicht zur Mülldeponie wurde.
Auf Plakaten der beiden Kindergärten gab es Einblicke in Demokratiebildung bei den Jüngsten. Auf Stellwänden informierte die Kita Fossilchen über die regelmäßigen Wahlen des nächsten Ausflugsziels, als auch die Kita am Kohlweg über die Wahl des Essens im Kinderrestaurant. Dabei praktizierten die Kinder ein demokratisches Grundelement, wie es hieß: Selbstbestimmung und die Freiheit, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und auch mit den Konsequenzen zu leben.
Witziges und Nachdenkliches brachten im musikalischen Teil des Abends unter anderem die „Pepperroses“ sowie die Gesangvereine „Glück auf“ und „Treue“ zu Gehör, bevor zum Abschluss alle gemeinsam mit der Nationalhymne Zusammengehörigkeit demonstrierten. Der ganze Abend ein Stück gelebte Demokratie, wie Messels Bürgermeister befand.
Bild und Text: Dorothee Dorschel
